Hochsensitivität

Hochsensitive Menschen haben nach meiner Definition noch weitere sinnliche Wahrnehmungen über die „normalen“ fünf Sinne hinaus.
Die meisten Menschen, selbst “Experten”, unterscheiden nicht zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität. Das mag daher kommen, dass Elaine Aron, die in den 90er-Jahren in Amerika den Begriff Hochsensibilität erstmals beschrieben hat, die Bezeichnung „Highly Sensitive Person“ verwendet hat. Die deutschen Übersetzungen ihrer Bücher verwenden meist den Begriff Hochsensibilität ohne eine weitere Differenzierung. Andere Experten verwenden den Begriff Hochsensitivität und meinen damit ebenfalls Hochsensibilität. Also auch hier gibt es keine einheitliche Definition, genau wie bei Hochbegabung. Ich sehe das anders. Siehe auch Hochsensibilität
Bei hochsensiblen Menschen kommt nach meiner Erfahrung zur Hochsensibilität noch eine weitere Komponente hinzu.
Sie kann aber auch alleine für sich stehen: Eine stark ausgeprägte Wahrnehmungsebene über die körperlichen Reizwahrnehmungen mit den 5 Sinnen hinaus. Sozusagen der 6., der 7. und der 8. Sinn: Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, Hellfühligkeit. Man könnte dies auch eine Hochbegabung im Bereich Sensibilität nennen. Hochsensitive Menschen fühlen sich oft hingezogen zur Spiritualität, Philosophie und Metaphysik. Ihre enorm ausgeprägte Empathie kann bis hin zur Medialität gehen. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig der Alltag mit diesen Voraussetzungen ist und wie stark ausgeprägt die kommunikative Einsamkeit sein muss, denn es gibt außerordentlich wenige Menschen die diese Erscheinungen vorurteilsfrei diskutieren können, wenn sie selbst keinerlei Erfahrungen damit gemacht haben.
Viele wissen nichts von ihrer Disposition, fühlen sich aber durch diese außergewöhnlichen Wahrnehmungen oft überlastet und überwältigt. Wer allerdings diese Feinfühligkeit in sich erkennt und lernt, konstruktiv mit ihr zu leben, findet einen Schatz von großer Sinnhaftigkeit und Tiefe.
Außergewöhnliche Wahrnehmung
Hochsensitive haben oft diese ganz “speziellen” Fähigkeiten wie Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, oder ein ausgesprochen gutes, empathisches Einfühlungsvermögen. Dass es Energien auch außerhalb unserer materiellen Welt gibt, ist ihnen selbstverständlich. Warum manche nun beispielsweise „etwas“ sehen und andere nicht, kann so erklärt werden: Stell dir sich vor, Hellsichtigkeit kann mit einem Regler auf- und zugedreht werden. Bei Menschen, die absolut nichts wahrnehmen, ist der Regler auf “zu”. Je weiter er aufgedreht wird, desto mehr kann wahrgenommen werden. Bei Hochsensitiven ist er sicherlich ein Stück weit offen, wie weit, das ist individuell verschieden.
Wunderbare Wahrnehmung
Hochsensitive Menschen müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten als andere Menschen. Aber sie können mit ihren Fähigkeiten sehr wertvolle Beiträge in der Gesellschaft leisten. Die Hochsensitivität geht stark oft mit bewusstseinsverändernden Prozessen einher. Es ist ein Phänomen, was sich manchmal im spirituellen Kontext zeigt. Jedoch geschieht auch Menschen, die sich noch nie mit spirituellen Themen beschäftigt haben, im ganz normalen Leben eine Verschiebung der Wahrnehmung. Manchmal werden diese ausgelöst durch den Verlust eines geliebten Menschen oder durch andere einschneidende Veränderung und manchmal erscheinen sie auch wie aus dem Nichts.
Ich verstehe Hochsensitivität als eine besondere Form von Hochbegabung
Aber auch wenn diese Hochbegabung vorhanden ist, können hochsensitive Menschen ihre mentale Stärke oftmals nicht leben, da Schul- und Unternehmenssysteme zu viele belastende Faktoren aufweisen. Für normal sensitive Menschen kann Hochsensitivität verstörend wirken. Möglicherweise ernten hochsensitive Menschen sogar Ablehnung, denn “normale” Menschen können sich die Wahrnehmungswelt eines Hochsensitiven einfach nicht vorstellen. Für Hochsensitive ist es nicht immer leicht, in unserem Gesellschaftssystem zurecht zu kommen.
Der komplexe innere Reichtum hochsensitiver Menschen fordert spezielle Berücksichtigung
Folglich brauchen sie bestimmte, individuell verschiedene Rahmenbedingungen, in denen sie zum Beispiel gut leben und arbeiten können. Das Wichtigste für eine zufriedenstellende Lebenssituation ist zuerst das Erkennen der eigenen Hochsensitivität und die Anpassung der persönlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen an die Veranlagung: zum Beispiel die richtigen Arbeitsinhalte (sinnvolle Arbeit, komplexe Aufgaben, Berufung), ruhige Atmosphäre und offene und ehrliche Kommunikation. Dies einzurichten ist meist ein behutsamer Prozess, der mit kompetenter Unterstützung gut zu meistern ist und in der Regel immer zu einer deutlich höheren Zufriedenheit und Effektivität im Beruf führt.
Merkmale Hochsensitivität:
  • Ich hatte schon öfter Vorahnungen, die sich später bewahrheitet haben
  • Ich sah Krankheiten oder Todesfälle mir nahestehender Personen voraus
  • Ich träumte öfters von Ereignissen, die später so eintrafen
  • Ich sehe (höre, fühle) wenn Umgebungseinflüsse für Andere hinderlich sind
  • Wenn mir ein Mensch begegnet, fühle ich eine Art „Abbildung“ von ihm in mir
  • Ich kommuniziere mit Tieren oder Pflanzen
  • Ich bin in meinen (Tag-) Träumen mit einer „wissenden“ Instanz verbunden
  • Manchmal nehme ich etwas wahr, was eigentlich nicht erklärlich ist
  • Ich habe öfters Angst- oder Schamgefühle, weil ich Dinge wahrnehme, die unerklärlich sind
  • Ich kenne die Angst, verrückt zu sein, schizophren oder anders psychopathisch
  • In meiner Familie gibt es Menschen mit unerklärlichen medialen Fähigkeiten
  • Ich fühle, wenn Nahrungsmittel, Umstände oder Menschen meine Empfindsamkeit behindern
  • Ich möchte gerne weniger wahrnehmen, denn diese Wahrnehmungen sind eine Belastung für mich
  • Ich suchte in „alten Traditionen“ nach Erklärungen für meine Wahrnehmungen
  • Ich verschweige gegenüber meinen Nächsten, was ich (über sie) sehe/fühle/höre
  • Winzigste Details an einem Menschen oder einer Umgebung lassen mich „sehen, fühlen, hören“
  • Künstliche Nahrungsmittelzusatzstoffe oder chemische Substanzen beeinträchtigen meine Wahrnehmung

Wenn du bei vielen Aussagen „JA“ sagen konntest, ist es sehr wahrscheinlich, dass du hochsensitiv bist. Wenn eine oder mehrere Fragen ein sehr lautes JA in dir erklingen lassen, ist es noch deutlicher. Es ist vollkommen egal, ob du eine Schublade findest, in die du dich stecken lassen möchtest. Es ist vollkommen egal, ob du eine Testung, einen Wert, einen Begriff, eine Zahl hast, die dir irgendwann einmal mitgeteilt wurde. Das einzige was wichtig ist, ist das du das Gefühl von Zugehörigkeit hast. Dass du dich verstanden fühlst, angenommen fühlst, „wahr“-genommen fühlst, das Empfinden hast, „Ja, das passt zu mir“. Dann bist du ein buntes Zebra.